Veranstaltungsort
Energiepark Hirschaid (Bamberg)
Leimhüll 8
96114 Hirschaid
Barrierefreiheit: Der Veranstaltungsort ist weitgehend barrierearm; einzelne Räume können eingeschränkt erreichbar sein.
Der Bürgerenergie-Konvent 2026 brachte Menschen zusammen, die die Energiewende nicht nur diskutieren, sondern aktiv gestalten wollen. Zwei Tage lang stand alles im Zeichen von Austausch, neuen Impulsen und konkreten Lösungen für eine Energiewende in Bürger*innenhand – praxisnah, vernetzt und mit klarer Wirkung.
Akteur*innen aus Bürgerenergie, Kommunen, Wirtschaft und Zivilgesellschaft kamen zusammen, um Erfahrungen zu teilen, Ideen weiterzudenken und gemeinsam an umsetzbaren Wegen für die Zukunft zu arbeiten. Im Zentrum stand dabei Bürgerenergie als dezentrale, erneuerbare und demokratisch geprägte Form der Energiewende, die regionale Wertschöpfung stärkt und soziale wie ökologische Verantwortung verbindet.
Mit Keynotes, Workshops, Austauschformaten und dem „Markt der Möglichkeiten“ bot der Konvent einen inspirierenden Raum für Wissen, Kontakte und neue Perspektiven – und zeigte, wie viel entstehen kann, wenn Menschen gemeinsam anpacken.
Die Inhalte werden derzeit noch überarbeitet und ergänzt. Einige Beiträge können sich aktuell noch im Aufbau befinden.
Energiepark Hirschaid (Bamberg)
Leimhüll 8
96114 Hirschaid
Barrierefreiheit: Der Veranstaltungsort ist weitgehend barrierearm; einzelne Räume können eingeschränkt erreichbar sein.
Den Konvent eröffnete Dr. Eva-Maria Grommes (TH Köln) mit einem Weckruf: Die Debatte über die Energiewende findet längst auf Social Media statt – doch faktenbasierte Inhalte gehen oft unter, und Bürgerenergiegenossenschaften sind auf Plattformen wie TikTok kaum sichtbar. Dabei lohnt es sich, aktiv zu werden: TikTok belohnt Relevanz, nicht Reichweite. Entscheidend ist echter Dialog – Fragen beantworten, Mythen entkräften und lokale Erfolge sichtbar machen.
Im Mittelpunkt stand dabei die klare Botschaft: Menschen stellen einfache Fragen zur Energiewende – wer antwortet, prägt die Erzählung mit. Kommentarspalten, Erklärungen zu Genossenschaften und das Teilen lokaler Beispiele schaffen Vertrauen und Akzeptanz.
Für gute Beiträge nannte sie eine klare Struktur: Ziel definieren, Format wählen, in den ersten drei Sekunden Aufmerksamkeit gewinnen, Problem benennen, Lösung zeigen und zum Handeln einladen.
Ihre zentrale Aussage: „Jeder Post zählt.“ Wer auf Social Media präsent ist, erklärt, verbindet und reagiert – und bringt damit die Energiewende aktiv voran.
Dr. Jakob Müller (GLS Bank) spannte einen historischen Bogen: Bürgerenergie ist keine neue Bewegung. Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstanden über 6.000 Energiegenossenschaften, weil vielerorts niemand sonst bereit war, Stromnetze auf dem Land aufzubauen. Leitmotiv damals wie heute: Selbstermächtigung statt Ohnmacht.
Er beschrieb die Entwicklung der Bürgerenergie in drei Phasen: zunächst die Elektrifizierung, dann der Klimaschutz, heute die Energiesouveränität. Millionen Balkonkraftwerke, PV-Anlagen und Heimspeicher zeigen dabei: Aus Pionierprojekten ist ein breites gesellschaftliches Phänomen geworden.
Gleichzeitig stellte er kritische Fragen: Wer trägt künftig die Netzkosten, wenn sich immer mehr Menschen teilweise aus dem System herauslösen? Wie wird Energiearmut adressiert? Und wie bleibt die Bewegung – von der Genossenschaft bis zum einzelnen Anlagenbetreiber – langfristig zusammen?
Sein Appell: Das nächste Leitmotiv der Bürgerenergie muss das Verbindende sein – Energiesouveränität gemeinsam gestalten, nicht isoliert.
Laura Zöckler (Bürgerwerke) stellte auf dem Konvent ein neues Energy-Sharing-Konzept vor und gab damit einen konkreten Ausblick auf die Weiterentwicklung der Bürgerenergie.
Die Grundidee: 125 Genossenschaften mit über 65.000 Mitgliedern erzeugen gemeinsam Strom und nutzen ihn direkt selbst. Der gesetzliche Rahmen (§ 42c EnWG) ist dabei komplex – die Bürgerwerke setzen deshalb auf ein eigenes, vereinfachtes Modell: kein Smart Meter erforderlich, ein Vertrag statt zwei, keine engen geografischen Grenzen.
Strom aus Gemeinschaftsanlagen wird über einen Gemeinschaftstarif bezogen, zusätzlicher Bedarf über Reststrom gedeckt. Ergänzt wird das durch Preissicherheit, selbstbestimmte Tarife und eine transparente Plattform, die die Herkunft des Stroms sichtbar macht.
Ein Ansatz, der zeigt: Energy Sharing muss nicht auf perfekte Rahmenbedingungen warten – sondern funktioniert bereits heute in der Praxis.
Wie viel wirtschaftliche Kraft steckt in der lokalen Energiewende – und wer profitiert davon? Darüber diskutierten beim Konvent Bundespolitiker:innen, Bürgermeister, Stadtwerke und der Bauernverband – und waren sich einig: Die Energiewende ist weit mehr als Klimaschutz. Sie stärkt Regionen wirtschaftlich, schafft Arbeitsplätze und füllt kommunale Kassen – wenn Bürger:innen wirklich beteiligt werden.
Eine Mitte April veröffentlichte Studie des Bundeswirtschaftsministeriums untermauerte das mit Zahlen: Wind- und Solarenergie schufen 2023 bereits rund 3,5 Milliarden Euro regionaler Wertschöpfung – bis 2033 könnten es 12,4 Milliarden Euro sein. „Es geht nicht nur um Strom, sondern um wirtschaftliche Effekte vor Ort – durch Gewinne, Einkommen und kommunale Steuern", sagte Moderatorin Valérie Lange (BBEn) gleich zu Beginn.
Genau das bestätigten Jonas Glüsenkamp (Zweiter Bürgermeister Bamberg), Lisa Badum (Mdb - Bündnis 90/Die Grünen), Jörg Neubauer (Bürgermeister Weißenbrunn), Florian Doktorczyk (Stadtwerke Würzburg), Dr. Lena Käsbauer (Bayerischer Bauernverband) und Marina Braun (fei Bürgerenergie eG) aus ihren jeweiligen Perspektiven: Wer Bürger:innen wirklich beteiligt, erntet nicht nur Akzeptanz – sondern macht die Energiewende zum echten Standort- und Wirtschaftsfaktor.
Die Workshops sind praxisorientierte Mitmach-Formate mit Raum für Austausch und konkrete Learnings. Sie finden an beiden Konvent-Tagen statt. Aktuell werden die Workshops intern final abgestimmt. Die vollständige Übersicht mit Themen, Referent*innen und Raumangaben veröffentlichen wir schrittweise bis zum Konvent.
Der Marktplatz ist Deine zentrale Anlaufstelle für Austausch und Vernetzung – besonders beim Ankommen und in den Pausenzeiten. Hier kommst Du unkompliziert mit Organisationen, Projekten, Genossenschaften und weiteren Akteur*innen ins Gespräch – zu Themen wie Umsetzung in der Praxis, Finanzierung, Kommunikation, Kooperationen und Tools.
Am Freitagabend verleihen wir den Michael-Sladek-Preis für Bürgerenergie 2026. Mit dem Preis würdigen wir zum zweiten Mal Menschen, die Bürgerenergie mit besonderem Engagement voranbringen – für eine demokratische, gerechte und nachhaltige Energiezukunft. Die Preisverleihung findet im Rahmen des Konvents statt. Zuvor gibt es eine Führung durch den Energiepark und eine Lesung, anschließend ein gemeinsames Abendessen mit Zeit für Marktplatz und Austausch. Nach der Preisverleihung folgen Abendprogramm & Ausklang.
Der zweite Konvent-Tag wird durch CommunitE-Innovation unterstützt. Das Projekt stärkt Bürgerenergiegemeinschaften durch Förderung, Vernetzung und Impulse für Umsetzung und Wirkung. Außerdem gibt es CommunitE-Projektvorstellungen im Programm.